Wandgemälde schafft Atmosphäre im Wohnraum

Würzburg, 16. Juni 2026 – Wie kann Kunst Wohnräume lebendig, freundlich und gemütlich gestalten? Eine eindrucksvolle Antwort darauf gibt das neue Wandgemälde in der Wohnanlage „Am Wald“ auf dem Würzburger Heuchelhof. Im Auftrag des Vereins für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung haben Künstlerinnen und Künstler der Mainfränkischen Werkstätten (MFW) ein großformatiges Wandbild gestaltet, das den Bewohnerinnen und Bewohnern im Foyer täglich begegnet und den Innenbereich nachhaltig prägt.
Das Projekt wurde im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt. Besucherinnen und Besucher erhielten Einblicke in die künstlerische Konzeption, die praktische Umsetzung sowie die Idee hinter dem Werk. Darüber hinaus bot sich die Gelegenheit, mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern ins Gespräch zu kommen und die Wirkung des Kunstwerks unmittelbar vor Ort zu erleben.
Die rund sechs Meter breite und 2,30 Meter hohe Wandgestaltung zeigt eine farbenreiche Waldszenerie. Im Zentrum führt ein Weg durch die Natur, auf dem zwei Kinder Hand in Hand dem Horizont entgegengehen. Umgeben von verschiedenen Grüntönen, einem lichtblauen Himmel und zahlreichen liebevoll gestalteten Details entsteht ein Bild, das den Raum optisch öffnet und eine warme, einladende Atmosphäre schafft. Kleine Waldbewohner, Kobolde, Feen und Tiere laden dazu ein, immer wieder Neues zu entdecken.
„Ein Natur-Wimmelbild, in dem man bei genauer Betrachtung immer wieder neue Details entdecken kann“, beschreibt Frau Baumgärtner, Vorständin des Vereins für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung, das Ergebnis.
Wie war die Vorgeschichte der Beauftragung? 2022 wurde die Wohnanlage fertiggestellt. Zwar verlieh der terrassenartig gestaltete Innenhof dem großzügigen Foyer bereits eine angenehme Atmosphäre, doch der Wunsch nach einer künstlerischen Gestaltung der Innenwände wurde zunehmend konkreter. Gemeinsam mit dem Team des Geschäftsbereichs Kunst und Kultur der Mainfränkischen Werkstätten entwickelte sich schließlich die Idee, „den Wald im Namen in die Wohnstätte zu holen“. Nach Entwurfsskizzen, Farbkonzepten und der Auswahl geeigneter Künstlerinnen und Künstler entstand ein gemeinsames Gestaltungskonzept, das nun umgesetzt wurde.
Geleitet wurde das Projekt von Kunstpädagoge Alvaro Fernandez-Saez. Insgesamt arbeiteten fünf Künstlerinnen und Künstler sowie eine Schulpraktikantin der Mainfränkischen Werkstätten in wechselnder Besetzung an dem Wandgemälde. Dabei brachte jede beteiligte Person ihre individuellen Fähigkeiten und kreativen Ideen ein.
Besonders beeindruckt zeigte sich Frau Baumgärtner von der Professionalität des gesamten Prozesses. Von der Vorbereitung über die Einbindung eigener Wünsche bis hin zur Umsetzung habe das Projekt auf hohem fachlichen Niveau stattgefunden. Trotz der Beteiligung unterschiedlicher Künstlerinnen und Künstler sei eine harmonische Gesamtkomposition entstanden.
Welche Wirkung Kunst im Alltag entfalten kann, zeigt eine kleine Geschichte aus der Wohnanlage besonders eindrucksvoll: Ein Bewohner begrüßt jeden Morgen zunächst das auf dem Wandbild dargestellte Eichhörnchen und streichelt es, bevor er seinen Tag beginnt. Das Kunstwerk ist damit längst Teil seines Alltags geworden.
Auch für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler war die Arbeit eine besondere Erfahrung. Sie stärkte Selbstbewusstsein, Teamgeist und das Gefühl, mit der eigenen kreativen Arbeit sichtbar zu sein und einen bleibenden Beitrag für andere Menschen zu leisten.
Der Künstler Leslie schilderte die besonderen Herausforderungen der Arbeit an einer “unverrückbaren” Wandfläche. Anders als bei einer Leinwand könne die Perspektive nicht einfach erfasst werden. Um Proportionen und Gesamtwirkung beurteilen zu können, sei es immer wieder notwendig gewesen, Abstand zum Werk zu gewinnen.
Künstlerin Johanna berichtete von ihrer Freude darüber, neue Möglichkeiten des künstlerischen Arbeitens zu entdecken. Ermutigt durch Projektleiter Alvaro Fernandez-Saez probierte sie aus, wie sie trotz Rollstuhlnutzung filigrane Details direkt an der Wand gestalten kann. Ihre Wahl fiel auf eine Eule. „Es war eine wunderschöne Erfahrung“, erzählt sie begeistert.
Das Wandgemälde steht zugleich exemplarisch für den neuen Geschäftsbereich Kunst und Kultur der Mainfränkischen Werkstätten unter der Leitung von Tanja Zimmermann. Ziel ist es, inklusive Kunst als professionelle Dienstleistung anzubieten und damit neue Formen gesellschaftlicher Teilhabe zu schaffen. Das Angebot reicht von bildender Kunst und Wandgestaltungen über Tandem-Stadtführungen in Würzburg sowie Tandem-Kunstvermittlungen im Museum im Kulturspeicher bis hin zu den Produktionen des Theater Augenblick.
Langfristig soll sich der Bereich durch Aufträge von privaten, öffentlichen und institutionellen Auftraggebern wirtschaftlich selbst tragen können. Das Projekt in der Wohnanlage „Am Wald“ zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in professionell umgesetzter inklusiver Kunst steckt: Sie verschönert Räume, schafft Begegnungen und eröffnet neue Perspektiven für gelebte Inklusion.
Das Wandgemälde ist damit weit mehr als eine künstlerische Gestaltung. Es ist ein sichtbares und professionelles Zeichen dafür, wie kreative Arbeit Barrieren überwinden, Lebensqualität steigern und gesellschaftliche Teilhabe fördern kann.
Ein sehr schöner und anschauliches Video ist hier zu finden:
Zum Video TV Mainfranken
Alle Künstlerinnen und Künstler, Leitende und Auftraggebende des Projektes sind auf dem Gruppenbild oben folgende:
hintere Reihe v.l.n.r. Melanie Betz, Maria Zehnder, Karin Baumgärtner, N.N., Michael Püchner, Leslie Guse, Álvaro Fernandez-Saez, Tanja Zimmermann, Madeleine Leube, Manuel Margraf
vordere Reihe v.l.n.r.: Jessika Wall, Lukas Hassler, Uschi Ebner, Johanna Prüst, Tristan Fuchs
Impressionen







